Musiktheater STRANDRECHT am LICHTHOF Theater: Warum sich Komponistin Dong Zhou als Klangsammlerin betätigt

Freies Musiktheater Hamburg

Musiktheater STRANDRECHT am LICHTHOF Theater: Warum sich Komponistin Dong Zhou als Klangsammlerin betätigt

Obwohl die Oper The Wreckers (dt: Die Strandräuber) von Ethel Smyth im Jahr 1906 in Leipzig uraufgeführt wurde, ist die britische Komponistin und Frauenrechtlerin hierzulande kaum bekannt. Ihre an der Küste von Cornwall situierte Oper thematisiert eine gefährdete Liebschaft vor dem Hintergrund eines von Piraterie und Schiffsplünderungen korrumpierten Gemeinwesens. Die Hamburger Regisseurin Kerstin Steeb und ihr Team wagen im LICHTHOF Theater eine Neuinszenierung des Stücks, in dessen Zentrum sie die Frage nach Seenotrettung und zivilem Ungehorsam stellen. Freies Musiktheater Hamburg sprach mit der am Stück beteiligten Komponistin und Medienkünstlerin Dong Zhou.

Bei Ethel Smyths Musiktheater „Strandrecht“ handelt es sich um eine große, spätromantische Oper. In welcher Phase der Stückentwicklung wurden Sie als zeitgenössische Komponistin in den Entstehungsprozess der Inszenierung eingebunden?

Ich bin sehr früh, also lange vor Beginn der Proben, Teil des Teams geworden. Die Zusammenarbeit hat damit begonnen, dass Hanne Franzen, die Musikalische Leiterin der Produktion, und ich genau die Passagen im Stück definiert haben, in der wir die Musik von Ethel Smyth streichen und stattdessen meine elektronische Musik erklingen lassen.

Haben Sie sich bei der Komposition von Ethel Smyths Musik leiten lassen?

Ja, ich habe tatsächlich bestimmte Motive aus ihrer Musik in meine Komposition integriert. Bei der Analyse des Werks haben wir bemerkt, dass in Smyths Oper musikalische Motive als Metaphern funktionieren oder Gefühle repräsentieren.

Ethel Smyths Komposition hört sich aus heutiger Perspektive stark nach Filmmusik an.

Ja, ihre Musik hat einen starken Zug ins Illustrative. Aus diesem Grund haben Hanne Franzen und ich gleich zu Beginn unserer Zusammenarbeit die Verabredung getroffen: wir werden alle illustrativen Elemente aus der Inszenierung und aus der Komposition verbannen. Auch habe ich mich dafür entschieden, dass alle Klänge, mit denen ich in meiner Komposition arbeite, aus dem Theater selbst hervorgehen.

Wie muss ich mir das genau vorstellen?

Ich habe meine Klangwelt auf den Theaterproben entwickelt, indem ich reale Geräusche, die auf der Bühne während der Proben entstanden sind, zum Ausgangspunkt meiner Komposition gemacht habe.

Aha – Sie sind also eine Art Sammlerin von klanglichem Strandgut. Und welche Rolle spielt dann der Gesang in ihrer Komposition?

Neben der Arbeit mit der Gesangsstimme habe ich Sprechpassagen sowie szenische Elemente in mein Stück integriert. Vieles davon ist stark kontrastiv zum spätromantischen Operngesang angelegt.

Es hört sich an, als hätte die Arbeit an „Strandrecht“ einen stark prozesshaften Charakter.

Ja, das kann man so sagen. So bin ich etwa an jeder der sechs Vorstellungen im LICHTHOF Theater beteiligt. Meine Arbeit als Komponistin wird am Tag der Premiere zwar beendet sein, aber ich bin für die klangliche Umsetzung an jedem Abend selbst verantwortlich.

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